Giessholz ist eine auf Polymerbasis modifizerte flüssige Holzgiessmasse, mit der Gegenstände in jeder gewünschten Formgebung selbst hergestellt werden können. Giessholz wird zum Beispiel für die Herstellung von kleinen Holzdekorteilen für die Möbelgestaltung und Restauration verwendet. Aus diesem Material entstehen aber auch Reliefs, Figuren, Lampenfüsse, Griffe, Masken und praktische Gebrauchsgegenstände, die hinterher nicht nur ein holzähnliches Aussehen erhalten, sondern auch wie Holz mechanisch bearbeitet oder in der Weiterbearbeitung zum Beispiel einer gekonnten Oberflächengestaltung ebenfalls mit Wachsbeize gebeizt, gewachst, bemalt oder lackiert werden können.

Giessholz ist sofort aus der Dose heraus verarbeitungsfertig und wird durch Zumischen von Amberhärter innerhalb weniger Minuten zu einem starren, festen Gegenstand, der danach auch nicht wieder angelöst oder verflüssigt werden kann. Das Harz sollte beim Verarbeiten eine Materialtemperatur von ca 18-20 Grad haben.

Härtermengenzugabe 1-3 %. Dünne Schichten erfordern mehr Härter, während dickere Schichten nur mit einer geringeren Härtermenge vermischt werden dürfen, um zu verhindern, daß die aus diesem Material hergestellten Giessteile nicht reissen bzw sich in der Aushärtungsphase verbiegen. Wärme beschleunigt – Kälte verzögert den Aushärtevorgang.

Verarbeitungsanleitung :

  1. Stellen Sie eine Form bereit, in die Giessholz zum Abformen eines Gegenstandes eingefüllt werden soll. Die Form muß sauber und trocken sein. Formen, die nicht aus Formbaumasse, zum Beispiel Silikon etc bestehen, müssen vor dem Einfüllen von Giessholz vorher mit Formentrennwachs gleichmäßig dünn und bei stark saugenden Untergründen ( Holz, Pappe) mehrmals damit ausgestrichen werden, bis sich ein gleichmäßiger Wachsfilm bildet, der nach dem Trocknen mit einem Tuch oder einer Bürste nachpoliert werden sollte, damit der in der Form hergestellte Abguss später weder Pinselstriche noch andere durch den Wachsauftrag veränderte Strukturen zeigt.
  2. Vermischen Sie Giessholz immer in einem separaten Mischgefäss – also nicht direkt in der Dose mit Härter. Geben Sie zuerst die benötigte Menge Giessholz in den Mischbecher und erst danach den separat abgewogenen Härter hinzu.
  3. Beide Komponenten werden mit einem Holzstab intensiv vermischt. Dabei sollten Sie darauf achten, daß keine Luftblasen mit eingerührt werden. Die Giessmasse ist danach fertig. Befüllen Sie die Form nur zu einem Drittel mit dem Material. Mit einem Pinsel verteilen Sie die Giessmasse gleichmäßig in der Form. Dabei sollten Sie darauf achten, daß evtl an der Formwand anhaftende Luftblasen beseitigt werden. Erst danach wird die Form vollständig mit dem restlichen Material ausgefüllt.

Materialmenge : Wenn Sie die benötigte Materialmenge nicht kennen, befüllen Sie die Form vor dem Gebrauch mit Wasser. Schütten Sie das Wasser in einen Messbecher damit Sie so die benötigte Harzmenge genau ablesen können. Vor dem Gebrauch – also Ausfüllen der Form mit Giessholz – muß diese wieder gründlich getrocknet werden !

Mischtabelle :
Alle Angaben beziehen sich auf eine Harztemperatur von ca 20 Grad. Deshalb ist es auch wichtig das Harz nach dem Einkauf in einem gut temperierten Raum zu stellen, damit sich die Harztemperatur in der Dose erwärmt, was ca 3-4 Tage dauert. Das sichert ein gutes und sicheres Gelingen der Giessarbeit.

Schichthöhe — Härterzugabe — Topfzeit — Aushärtezeit
10mm ———- 2 % ———– 15min ———- 30-40min
10mm ———- 3 % ———– 12min ———- 16-20min
20mm ———- 1 % ———– 15min ———- 25-30min
20mm ———- 2 % ——– 8-10min ———– 15-20min
30mm ———–1 % ———– 12min ———- 15-20min
30mm ——– 1,5 % ——– 10min ————- 12-15min
30mm ———- 2 % ——— 6-8min ———– 10-11min
40mm ———- 1 % ———- 10min ———– 12-15min
40mm ——– 1,5 % ——— 8min ————- 10-12min
40mm ———- 2 % ——— 5-6min ————– 8-9min

Bei der Bemessung des Härters bitte unbedingt beachten :

Je dicker das Giessteil, desto weniger Härter sollte verwendet werden. Durch die Reaktionswärme pflanzt sich die Wärme in dem Giessteil nach oben hin fort, d.h. die darunter befindliche Materialschicht fördert eine noch schnellere Aushärtung der oberen Schicht. das kann bei dicken Formteilen dazu führen, daß die Gegenstände sich schon während des Aushärtens verziehen oer reissen und damit unbrauchbar werden. Deshalb sollten Sie das noch in der Form befindliche Giessteil auch nach dem Erhärten der Holzgiessmasse in ein bereitgestelltes Gefäß mit kaltem Wasser legen. Dadurch verzögern sie die Aushärtung. Das kalte Wasser verlangsamt die Aushärtung und verhindert so ein Zerreissen oder Verbiegen des gegenstandes. Gerade Formteile, z.B. Reliefs oder tafelartige Gegenstände sollten sofort nach dem Erstarren der Giessmasse mit einem schweren Gegenstand bedeckt werden, der ein Verkrümmen des Giessteils in der Aushärtephase verhindert, wobei auch hier eine gleichzeitige Kühlung mit Wasser zu empfehlen ist.

Abmessen des Härters : Wenn Sie den Härter direkt aus der Tube auf ein Rührholz strangförmig auftragen, entsprechen 6 cm Härterstrang ca 1g.

Wenn Sie diese Hinweise beachten – vor allem aber die Härtermenge im niedrigeren oder mittleren Bereich dosieren, werden Sie sofort einwandfreie, voll funktionsfähige Formteile herstellen können.

Zumischen von Füllstoffen : Sie können Giessholz noch mit Füllstoffen, z.B. Sägemehl, Leichtfüllstoffen etc. vermischen. Eine Zugabe ist bis zu 10 % möglich. Achten Sie dabei aber darauf, daß Sie die Giessmasse noch gut verrühren können, diese also beiig bleibt. Diese Möglichkeit wird dann besonders gerne berücksichtigt, wenn leichtere Formteile, z.B. für den Bau von Teilen für Modellflugzeuge etc. hergestellt werden sollen. Als Füllmaterial eignen sich auch Mikroballons oder Leichtfüllstoffe.

Die Zugabe kann noch geringfügig erhöht werden, wenn Giessholz mit Harzverdünner vermischt wird. Eine Zugabe ist auch hier bis zu 10 % möglich. Die so hergestellten Formteile werden aber durch die Zugabe von Harzverdünner spröder und leicht zerbrechlich !

Oberflächenbehandlung :
Die fertigen Formteile werden mit feiner Stahlwolle leicht angeschliffen. Anschließend wird Holzwachsbeize gleichmäßig mit einem Pinsel aufgetragen. Dabei sollen die Pinselstriche immer in einer Richtung laufen, um so die Holzmaserung zu imitieren. Das Aussehen kann dabei durch die Verwendung des Pinsels erheblich beeinflußt werden : grober Borstenpinsel ergibt rustikale, grobe Holzstruktur; feiner, weicher Pinsel ergibt eine weiche, feine Holzmaserung, die besonders bei Figuren bevorzugt verwendet wird, zumal hier ja nur der Holzcharakter erkennbar, aber nicht das Aussehen und die Wirkung der Figur beeinflußt werden soll. Nach dem Trocknen der Beize kann diese an bestimmten markanten Stellen mit feiner Stahlwolle leicht wieder abgeschliffen werden, wodurch der Gegenstand ein bereits etwas abgegriffenes, vor allem schon antikes Aussehen erhält. Zum Schluß ist auf jeden Fall ein hauchfeiner farbloser Überzug mit Universaldekorlack zu empfehlen.

Besondere Hinweise :
Sorgen Sie bei der Verarbeitung von Giessholz immer für eine gute Entlüftung. Das im Giessholz enthaltene Styrol hat einen leuchtgasartigen Geruch, der zwar auffällt, aber bei der Verarbeitung von kleinen Mengen bis 5 kg nicht gesundheitsschädlich ist. Dennoch : für gute Be- und Entlüftung sorgen !

Achtung : Der Härter ist feuergefährlich. Nicht mit offener Flamme in Berührung bringen. Nicht mit Augen und Schleimhäuten in Berührung bringen. Bei Berührungsfall Augen sofort mit klarem Wasser auswaschen und Arzt aufsuchen. Bei der Arbeit nicht rauchen und essen. Hinterher Hände sorgfältig mit Wasser und Seife reinigen.

Giessholz nicht mit fremden Stoffen mischen oder verdünnen.

Technische Daten :
Ausgehärtetes Giessholz ist starpazierfähig, chemikalienbeständig, wasser- und wetterfest. Dazu hochisolierend – je 1 mm Schichtstärke – durchschlagfest bis 10 000 Volt.

Zugfestigkeit : DIN 53444 – 550 kp/cm2
Bigefestigkeit : DIN 53452 – 1030 kp/cm2
Elastizitätsmodul Biegeversuch : DIN 534576 – 38 000 kp/cm2
Schlagzähigkeit : DIN 53453 – 16 kp/cm2
Druckfestigkeit : L-P 406 b – Methode 1021 – 1100 kp/cm2
Kugeldruckhärte : DIN 53456 – HC 60 – 1050 kp/cm2
Wärmefestigkeit nach Mertens : DIN 53458 – 52 Grad
Temperaturbeständigkeit : -30 bis + 130 Grad
Flammpunkt : DIN 53213 – 36 Grad

Einfärben : Giessholz kann mit Harzabtönfarben, die es in den Farbtönen weiß, schwarz, gelb, rot, grün und blau gibt, eingefärbt werden. Farben sind untereinander mischbar.
Reinigung des noch nicht ausgehärteten Harzes : Universalharzreiniger
Weitere Hinweise sind der einschlägigen Fachliteratur zu entnehmen, z.B. Giessharz- Grundtechniken oder Einbetten in Biogiessharz.

Besondere Angaben : Diese Arbeitsempfehlungen können nur unverbindlich sein, da der Hersteller keinen Einfluß auf die sachgemäße Verarbeitung hat und diese auf die jeweiligen Verhältnisse abgestimmt werden muß.